Textgroesse

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Einen Tag nach unserer 875 Jahrfeier in Gisingen, bei der einige Freunde aus unserem Partnerdorf aus Mey Crêpes angeboten haben, war eine Delegation von vierzehn Gisingern zu der Gedenkfeier in Mey gefahren. Nach einem zum Teil zweisprachigen Gottesdienst führte eine Prozession zum deutsch-französischen Ehrenmal in Mey. Die Rede des Bürgermeisters Patrice Bourset, die im Detail an die Schlacht vom 14. August 1870 als Anlass der Gedenkfeier erinnerte, ist untenstehend zu lesen.

Im Anschluss an die Reden, die Niederlegung von Blumen am Mahnmal und dem gemeinsamen Singen der deutschen, französischen und europäischen Hymnen waren wir zu einem köstlichen Mehrgänge-Menu auf dem Dorfplatz an der Mairie eingeladen. Damit wurde diesem Festwochenende ein würdiger Abschluss verliehen, für den wir uns bei den Freunden aus Mey herzlich bedanken. Die Bilder in der Galerie vermitteln einige Eindrücke dieses schönen Tages.

 

Rede des Bürgermeisters Patrice Bourset am 16.08.2015 Mahnmal in Mey (übersetzt ins Deutsch durch Sigrid Mandoux):

Sehr geehrte Orstvorsteherin von Gisingen

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin von Vany,

Sehr geehrter Bürgermeister von Vantoux,

Sehr geehrte Stellvertretende Bürgermeisterin von Nouilly,

Liebe Mitbürger,

zunächst möchte ich mein Bedauern über die Abwesenheit unserer gewählten Repräsentanten des Staates: Senator, Abgeordnete, Mitglieder des Rates des Départements, des Präsidenten von Metz Metropole, die sicherlich ihre wohlverdienten Ferien genießen, ausdrücken. Umso mehr freue ich mich über die Anwesenheit der gewählten Repräsentanten der Nachbargemeinden, aus dem Norden Vany, aus dem Südwesten Vantoux und aus dem Südosten Nouilly.

Wie in jedem Jahr befinden wir uns nach einer Prozession am Fuße des Denkmals von Mey. Es handelt sich um eins der wenigen alten Monumente, die an den Krieg von 1870 erinnern. Eine Besonderheit dieses Denkmals ist auch seine Eigenschaft als Grabstätte.

Es wurde im Jahre 1908 in Gedenken an 80 französische Offiziere und Soldaten und an 23 preußische Kämpfer, die am 14.August 1970 in der Schlacht von Borny-Colombey, d.h. die Franzosen nennen sie Schlacht von Borny, die Deutschen Schlacht von Colombey-Nouilly, errichtet.

Nun den Verlauf des Krieges im Einzelnen: Die Kriegserklärung erfolgte am 19. Juli 1870. Nach den ersten Niederlagen vom 4. und 6. August emigrierte ein großer Teil der Bevölkerung nach dem 9. August. Am 12. August organisierte der Marschall Bazaine, der das Kommando über die Rheinarmee bekam, den Rückzug in das Lager von Châlons zu dem wartenden Kaiser Napoléon III. Zur gleichen Zeit rückten die Preußen näher. Am Nachmittag des 14. August waren das 2, 4. und 6. Corps bereits über die Mosel gezogen. Die Garde befand sich noch immer in den Quartieren von Grigy und Borny und das 3. Corps in Colombey, dem heutigen Coincy. Letzteres begann seinen Rückzug, als plötzlich um 15.30 Uhr der von Ars-Laquenexy kommende General von der Goltz die Initiative ergriff, die Spitze des 7. Corps der ersten preußischen Armee gegen die französischen Soldaten im Osten von Borny in der Nähe von Colombey zu schicken. Ohne die Meinung des preußischen Oberkommandos einzuholen, beschloss der General die Franzosen zur Umkehr zu zwingen, um sie in ihrer Stellung zu halten. Er warnte Zastrow im Ort Pange und Manteuffel im Ort Les Etangs, um ihre Unterstützung zu bekommen. Beim ersten Kanonenschlag trat der Général Decaen aus dem Schloss von Borny. In seinem Appell befahl er allen noch anwesenden Truppen die Kehrtwendung und die Vorbereitung auf die Kampfstellung an der Festung von Queuleu bis nach Vantoux, und die Division der Grenardiere des 4. Corps in die Nähe von Mey. Die Kämpfe waren besonders heftig und mörderisch. Nachdem die preußische Verstärkung, die von Noisseville und Montoy-Flanville gekommen war, gestoppt wurde, gelang es den Franzosen, die Preußen abzuwehren und somit Herren des Schlachtfeldes zu bleiben. Sie haben den Gegenangriff erfolgreich abgeblockt, aber die unüberlegte Initiative des Generals von der Goltz hat den Rückzug der französischen Armee verzögert.

Am Abend verbreitete sich das Gewehrfeuer, das in Colombey begonnen hatte, über die gesamte Linie der Straße von Straßburg bis zur Straße von Bouzonville aus. Die Landschaft war von einer dicken Rauchwolke bedeckt. Um 21 Uhr beendet die Dunkelheit die Kämpfe. Marschall Bazaine gab den Befehl zum Rückzug, der dann erst ab 2 Uhr morgens beginnen konnte, da die Verwundeten vom Schlachtfeld entfernt und die Truppen wieder mit Munition versorgt werden mussten. Trotz der kurzen Dauer dieses Kampfes waren die Verluste erheblich: auf der deutschen Seite 4900 Menschen (1189 Tote, 3590 Verletzte, 127 Vermisste), darunter 222 Offiziere), auf der französischen 3418 Soldaten (377 Tote, 2641 Verwundete, 490 Vermisste), davon 200 Offiziere. Der General Decaen, der kurz zuvor Bazaine als Befehlshaber ersetzt hatte, erlag seinen Verletzungen. Eine große Anzahl von Einwohnern hatte sich als Helfer für die Abholung der Verwundeten zur Verfügung gestellt. Die Toten wurden hier oder auf den Friedhöfen der umliegenden Orte beigesetzt. Viele Tausende Menschen haben wie hier vor Ort für ihr Land an anderen Orten und zu anderen Zeiten ihr Leben geopfert.

Mir fällt dazu ein Satz von Paul Valéry (Lyriker und Philosoph) ein: „Der Krieg ist ein Massaker von Leuten, die sich nicht kennen, zum Nutzen von anderen Leuten, die sich kennen aber nicht massakrieren“.

Heute mache ich mich hier zum Fürsprecher für die unendliche Anerkennung und der Bewahrung des ewigen Andenkens an die Opfer der Kriege.

 

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 Hier noch der Zeitungsartikel:

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