Heute erinnert nur noch der Weinbach mit seinem Namen daran, dass auch in Gisingen einst Wein angebaut wurde. Im Tal der Nied und im Tal des Ihner Bachs ist bereits im 14. Jahrhundert der Weinanbau urkundlich nachgewiesen. Es ist davon auszugehen, dass schon die Römer in dieser Gegend Reben anpflanzten; wahrscheinlich ist die Einführung des Rebstockes im Nied-, Ihnerbach-, und Weinbachtal ihnen zu verdanken.

Im Mittelalter sorgten die Klöster für die weitere Ausbreitung des Weinbaues. Eigener Verbrauch und der Bedarf an Messwein führten zur Anlage größerer Rebflächen in fast allen Ortschaften des Niedtales und des südlichen Gaues. Die Abteien und Klöster Mettlach, Busendorf, Wallerfangen, Wadgassen und St. Matthias in Trier verfügten über eigene Besitzungen und forderten den Weinzehnten. Für die Grundherren hatten die Dorfbewohner in den Weingütern Frondienste zu leisten. Als Folge der Verwüstungen und Vertreibung der Bevölkerung im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) und während der Reunionskriege (ab 1679) kam es zu einem starken Rückgang der Weinanbauflächen. Nach dem Anschluss an Preußen im Jahre 1815 förderte die preußische Regierung den Weinanbau systematisch.

Neben den Anbaugebieten im Niedtal gewannen Rebflächen und -hänge auf den Flures des Gaues an Bedeutung. In St. Barbara, Rammelfangen, Kerlingen, Ihn und in Gisingen wurde Wein angebaut. Der Hansenberger Rotwein war zum Beispiel ein fester Begriff zu dieser Zeit; ab 1833 ging es jedoch bergab mit der Weinproduktion. Unerfüllte Erwartungen, Absatzschwierigkeiten, schlechte Weinjahre, Konkurrenzwein aus der Pfalz und aus Rheinhessen ließen bei der Bevölkerung die Lust am Weinbau schwinden.

Den Ausschlag zum Rückgang der Weinbaufläche gab schließlich der Befall der Rebstöcke durch die Reblaus, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts von Nordamerika eingeschleppt wurde. Die Reblaus zerstörte Wurzeln und Blätter der Pflanzen. Gespritzte Schwefelpräparate und Kupfervitriol führten bei der Bekämpfung nicht zum erwünschten Erfolg. Dieser Umstand sowie die Umwandlung der Weingärten in wesentlich ertragreichere Obstgärten (vom Wingert zum Bungert) und die zunehmend besseren Verdienstmöglichkeiten der Bevölkerung im Bergbau und in der Industrie führten schließlich dazu, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Weinanbaugebiete allmählich verschwanden.

 

Flurnamen, Straßennamen, Bachnamen zeugen heute noch von der Weinanbauzeit auf dem Gau, ebenso noch gut sichtbare Terrassen an den Hängen des Hirnberges in Ihn und auf der Rammelfanger Gemarkung.

Für Gisingen ist der Weinanbau in zwei notariellen Akten aus den Jahren 1627 und 1740 urkundlich belegt und in einer Karte von 1832 ist oberhalb des Weinbachs ein Weinberg der 6. preußischen Kategorie eingezeichnet. Besseren Wein gab es damals an der Nied und dem Unterlauf der Saar – während die heute im Saarland verbliebenen Weinberge an der Mosel bei Perl und Nenning ebenfalls nur in der 6. preußischen Kategorie geführt wurden. Wo sie gelegen haben, lässt sich schwerlich sagen. Sowohl der Südhang des Gallenberges als auch Flächen im Weinbachtal könnten einst von Rebstöcken bestanden gewesen sein. Es ist ebenfalls möglich, dass Weingärten als Hausgärten angelegt waren, sich also in unmittelbarer Nähe der Häuser und des Dorfes befanden. Manch eine aus lose aufeinander gesetzten Kalksteinen bestehende Abgrenzung, wie sie heute noch stellenweise zu sehen ist, mag einst ein Weingärtchen umgeben haben. An die Stelle von Reben traten oft Obstbäume in Form von Streuobstwiesen.

Weinbaukarte

Quellen: Kremer, Wolfgang: „Gisingen - Unser Dorf und seine Geschichte“

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